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Die Geschichte von Rot-Grün Robinson
verfasst von Hermann Schön im Jahre 1999
zum 22-jährigen Vereinsjubiläum
Vor- und Frühgeschichte
Die ältesten Knochenreste mit rot-grüner Maserung wurden bei Grabungen im Mainzer Stadtgebiet kürzlich entdeckt.
Die radiologischen Datierungen sind zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber vorsichtige Schätzungen ordnen die Überreste
etwa in die Zeit des Neandertalers ein. Interessanterweise wurden unweit des Fundortes Lederreste entdeckt, die auf ein ballähnliches
Gebilde schließen lassen...
An der Universität Mainz soll nun ein Lehrstuhl eingerichtet werden, der sich eingehender mit der Entwicklungsgeschichte dieser
Spezies Mensch beschäftigen soll und insbesondere die anthropologischen Verbindungen zu der Sportgruppe Grabowski herstellen soll.
Diese »Sportgruppe Grabowski« trat Ende der 60er Jahre dieses Jahrhunderts auf dem Gelände des Sportinstituts Mainz erstmals in Erscheinung.
Sie belästigte zwar die Gäste des Hallenbades sowohl durch Blicke als auch durch häufige Schüsse an die Scheibe, war aber sonst völlig
zufrieden damit, auf einem kleinen Stück Rasen einem einfachen Ball hinterherzulaufen und diesen – wenn möglich mit den Füssen –
zwischen zwei in 50 Zentimeter Abstand aufgestellte Sporttaschen zu zielen.
Berühmte Namen wie Karl-Heinz Eckelmann, alias Kalle, Norbert Grosse, Peter Meckes und natürlich Eckhard Grabowski und Hermann Schön
gehen auf diese Urzeiten zurück.
Mit wachsender Spielpraxis und ausgereifteter Technik stiegen auch die Ansprüche an den Ort des Geschehens. Der Wechsel in das Stadion
des Sportinstituts (quer, versteht sich) war angesagt, als Tore dienten zwei Hürden der Leichtathleten. Was da zu sehen war, war gediegener
Fußball.
Namhafte Vereine schickten ihre Beobachter. In besonderer Gefahr abgeworben zu werden, war Bernhard Sohn. Über die Ablösesumme konnte mit
dem 1. FCK jedoch kein Einvernehmen erzielt werden. Außerdem spielten zu jener Zeit Stefan Reuss und Gerd Hofmann aktiv mit.
Mittelalter
Auch wenn die Zuschauerzahlen immer noch verschwindend gering waren, setzte sich der langsame Aufstieg weiter fort. Irgendwann – sagen wir mal
Ende 1973 – wechselte die Gruppe auf den kleinen Hartplatz der Bezirkssportanlage Mainz-Bretzenheim, Südring und trainierte dort ab
25. Juni 1974 freitags von 19.00 bis 21.00 Uhr. Sie zahlte – man höre und staune – 5 DM je Übungstag und 10 DM je Stunde für
das Flutlicht Gebühr.
Die Zahl der Stammspieler wuchs von nun an kontinuierlich an. Da kamen nun Thomas Wessinghage, Rolf Luck, alias »Samson«, Joachim Gigla
und sein Bruder Hans hinzu. Thomas Wessinghage lief von Anfang an allen Gegenspielern einfach davon. Hans Gigla war der erste richtige Tormann,
der dazustieß.
Historischer Zusammenschluß
Zur gleichen Zeit spielte auf dem Platz der Bezirkssportanlage das Institut für Sprachen, die sog. AVIS-Schule. Aus sehr pragmatischen
Gründen waren diese beiden Gruppen am 5.7.77 zusammengegangen. (Hätten sie die historische Bedeutung dieses Datums erkannt, hätten sie
sicher noch zwei Tage gewartet!)
Über die Avis-Schule stießen Fußballer von Rang und Namen hinzu, nämlich (in alphabetischer Reihenfolge) Gerhard Galle, Peter Mauer,
Alfred Wahnsiedler, Jochen Weidlich, Rolf Windisch. Im gleichen Jahr stieß auch Edgar Kruse zur Gruppe. Apropos gemütliches Beisammensein
nach dem Spiel: Das begann am Südring mit dem »Laternchen« als Stammkneipe.
Bereits zwei Monate später, im September 1977, schaffte es der Verein Don Bosco Mainz, das Sportamt für sich einzunehmen und die neue
Spielvereinigung von der Bezirksanlage zu verdrängen. Die Spielvereinigung war ja nur eine Hobbygruppe.
Sie sollte ab dem 23. September 1977 auf der Sportanlage Albert-Schweitzer-Straße, d.h. bei der SC 1896 Moguntia Mainz, zusammen mit
deren Mannschaft trainieren. Diese Möglichkeit war in zähen Auseinandersetzungen zwischen Eckhard Grabowski und dem Mainzer Sportamt
als Kompromiß ausgehandelt worden. Beim Zustandekommen dieser Lösung war auch Monsieur Jouteux beteiligt, der zu jener Zeit der
Leiter der AVIS-Schule Mainz und zugleich aktiver Spieler bei der Moguntia war. Außerdem spielte Peter Mauer aktiv bei der Moguntia.
Unzumutbare Zustände
Beim ersten Training waren das dann vier Mannschaften mit 40-50 Spielern auf einem Platz! Wegen dieser unhaltbaren Zustände,
die auf das Wirken von Eckhard Grabowski hin auch vom damaligen Leiter des Sportamts persönlich in Augenschein genommen wurden,
wurde der Spielvereinigung Anfang Oktober 1977 der Sportplatz in Bretzenheim, Martin-Kirchner-Straße in der Zeit von 18.30 bis 20.00 Uhr
zum Training zugewiesen, erstmals am 21.10.1977.
Nur nebenbei, in der gleichen Zeit wurde der Platz am Südring von nur einer Handvoll Kinder nachweislich genutzt und wir Erwachsene –
gediente Persönlichkeiten und großartige Fußballer! – sollten mit schlechten Platzverhältnissen und dürftiger
Flutlichtanlage uns herumschlagen.
Damit wollte sich in jener Zeit Eckhard Grabowski nicht zufriedengeben. Er versuchte dem Sportamt gegenüber unsere Interessen durchzusetzen
und scheute auch nicht vor einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei Mitarbeiter des Sportamts zurück. Er brachte die mißlichen Zustände
dem damaligen Oberbürgermeister Jockel Fuchs in einem Beschwerdebrief zum Ausdruck. Die Antwort darauf war leider auch unmißverständlich,
daß Vereine des Sportbunds bei der Platzbelegung Priorität genießen!
Stammspieler bis heute
Der Kreis der Stammspieler veränderte sich wieder etwas, im wesentlichen erweiterte er sich. Zu jener Zeit waren Gerhard Döss und
Werner Bösenecker, Manfred Protz und Peter Graf dabei. Hinzugestossen sind auf dem Sportplatz Martin-Kirchner-Straße in nicht
völlig garantierter zeitlicher Reihenfolge: Joachim Sauer (1978), Bruno Berg (1979), Thomas Sauer (1979), Michael Dittrich (1980),
Siegfried Schmidt, alias Siggi I (1983), Wolfgang Wille (1983), Erhard Buch (1986).
In den zehn Jahren, in denen dort gespielt wurde, kamen hinzu (in alphabetischer Reihenfolge) Michael Bohl, Konrad Böhnlein, Thomas Eidner, Peter Ensberg,
alias Raducanu, Klaus-Peter Frädert, Günther Goemming, Manfred Hollenbach, Bernhard Knopp, Martin Lang, Helmut Leist, Norbert Moll, Dieter Staadt,
Peter Wagner, Reiner Weis.
Fast zehn Jahre lang konnte die Spielvereinigung unbehelligt den Platz Martin-Kirchner-Straße benutzen, wenn da nicht ein fürchterlicher Platzwart
und Kneipenwirt in einer Person gewesen wären! Wenn es regnete, wenn es gefroren hatte, war der Platz garantiert gesperrt und es schien dem Platzwart
eine richtige Genugtuung gewesen zu sein, uns unverrichteter Dinge wieder abziehen zu sehen.
Obwohl wir anfangs – zumindest der harte Kern – nach dem Spiel die Kneipe am Platz zum Zechen aufsuchten, schien man uns dort nicht besonders
zu mögen.
Der Kneipenwechsel erfolgte bald hin zum Kolpinghaus und dann zum »Schwalbennest«.
Die magische Zahl »Zehn«
Die Zahl der freitags aktiv teilnehmenden Spieler war in diesen zehn Jahren anfangs sehr wechselhaft: In den Sommermonaten völlig unproblematisch,
in den Herbst- und Wintermonaten jedoch häufig unter zehn. Diese magische Zahl entschied ab irgendeinem Zeitpunkt, ob das Flutlicht eingeschaltet
werden konnte oder nicht. Manchmal waren sogar nur vier oder sechs Spieler gekommen und wenn genügend Helligkeit war, wurde trotzdem gespielt –
auf Tore von ein mal eineinhalb Meter.
Teilnahme an Fußballturnieren
Bereits ab 1977/78 etwa gehörten zu den regelmäßigen Ereignissen die Teilnahme an Fußball-Turnieren, die wir alle hätten
eigentlich gewinnen müssen, wenn die anderen nicht so viele Tore geschossen hätten. Das waren Jedermann-Turniere in Mainz,
das sog. »Blitz-Tip-Turnier« im größeren Raum Mainz (Samson kümmerte sich damals intensiv darum) und – unvergessen
natürlich –
die Turniere in Hachenburg oder Kirburg im Westerwald (der Heimat von Peter Mauer, der die Verbindung und die Teilnahme immer
sicherstellte), im Winter regelmäßig das Hallenturnier, im Sommer regelmäßig das Freiluft-Turnier.
Die ausnahmslos erzielten Pokale sammelten sich im Laufe der Zeit bei Alfred Wahnsiedler, der sie gerne an sich nahm
und in einer Vitrine bei sich zu Hause zur Schau stellte. Sie können auch noch heute bewundert werden. (Bitte vorher
Termin vereinbaren, Telefon 06138/6966). Ein einziges Mal gelang es uns im Jahre weißnichtmehr, alle Kräfte zu mobilisieren
und ein eigenes Turnier auszurichten.
Die Spielvereinigung blieb auch ohne diese, manchmal bangen, manchmal freudigen Momente dauernd bedrängt: Wenn Vereine Trainingszeiten
brauchten, liefen wir als Nicht-Verein Gefahr, weichen zu müssen!
Neuzeit mit Vereinsgründung
Mit dieser Drohung im Rücken begann die Vereinsgeschichte. Nur als Verein des Fußballverbandes würde die Spielvereinigung sich einen Platz
dauerhaft sichern können! Am 24.4.87 – das zweite denkwürdige Datum – erfolgte die Vereinsgründung
»Rot-Grün-Robinson«. Wer erinnert sich nicht? Eckhard Grabowski hatte alle Vorbereitungen gründlich getroffen.
Nach dem Spiel wurde die Mitgliederliste geschrieben, die Satzung verlesen und der Vorstand per Akklamation gewählt und das Ganze kurz
und knapp durchgezogen. Zum Vorsitzender wurde konkurrenzlos Eckhard Grabowski gewählt; alle waren froh, daß sich Helmut Leist um das Amt
des Stellvertreters und des Schriftführers riß; Gerhard Galle war als Kassierer ausersehen – er hatte schon zuvor die Beiträge einkassiert
und alle Ausgaben abgegolten.
Nicht ohne Probleme zu TuS Marienborn
Kurz vor der Vereinsgründung war Tuchfühlung mit dem TuS Marienborn aufgenommen worden. Wir dachten es uns so: Mitglied im TuS werden und
als Gruppe freitags dort Fußball spielen. Die Rechnung ging so leider nicht auf. Auf einer Vorstandssitzung des TuS wurde unser Vorschlag
abgelehnt. Man wollte uns vielleicht als zahlende Mitglieder, aber nicht als nicht-integrierbare Gruppe, die auch noch dem ansässigen Verein
Vorschriften über die Spielzeiten machen wollte!
Es blieb also kein anderer Weg, als einen Verein zu gründen und beim Sportamt Mainz einen Antrag auf Zuteilung des Sportplatzes in Marienborn
für das Training zu stellen. Dieser Schachzug gelang Eckhard Grabowski schließlich, so daß am 13. Mai 1987 der Sportplatz
»Am Klausberg –
Kirschenpfad« unser neues fußballerisches Zuhause wurde. Der TuS Marienborn hatte das Nachsehen.
Daß der TuS uns den »üblen Schachzug« nachtrug, spürten wir in der Folgezeit immer wieder, insbesondere wenn wir die kleinen Tore brauchten
und diese mit Kette verschlossen waren und wir keinen Schlüssel hatten oder wir das Flutlicht brauchten und die Tür verschlossen war.
Nicht nur Platz- auch Spielerwechsel
Seit dem Umzug nach Marienborn haben wir einige Mitspieler verloren, andere sind dazugekommen: Tom Meyke (1989), Olaf Goettert (1990),
Uwe Ritzmann (1990), Claus-J.Steins (1990), Steffen Häfner (1991), Jürgen Schneider (1992), Siegfried Zimmermann (1992), Armin Ulbig (1992),
Carsten Wagner (1992), Heiko Jencio (1993), Silvio Keller (1993), Erich Schwabe (1993), Christian Mappala, geb. Geschwindner (1994),
Grégory Seitz (1994), Dietmar Mager (1995), Marc Geschke (1995), Ingo Heilmann (1996) und zuvor (in alphabetischer Reihenfolge)
Jürgen Gillesser, Nico Koch, Norbert Moll, Jürgen Stich, Frank Wurzel.
Am 28. Januar 1994 wurde der Vorstand neu gewählt. Joachim Sauer löste Eckhard Grabowski als Vorsitzenden ab und Hermann Schön löste
Helmut Leist und Gerhard Galle als Stellvertretender Vorsitzender, Schriftführer und Kassierer ab.
Wieder bei Turnieren dabei
Seit 1992 haben wir wieder einen neuen Einstieg gefunden, in die Teilnahme an Turnieren. Denkwürdig bleibt dabei besonders das Turnier
in Stromberg, auf dem uns Erhard Buch angemeldet hatte. Seit fünf Jahren nehmen wir mit wechselndem Glück an den Fußball-Turnieren
in Hofheim-Wildsachsen teil (1996 den 2. Platz!).
Und in diesem Jahr haben wir zum zweiten Mal am Jedermann-Turnier des TuS Marienborn teilgenommen und – wie hoffentlich jeder weiß –
den ersten Platz errungen.
Inzwischen auch in Frieden mit dem TuS
Heute können wir sagen, daß wir die anfänglichen Ressentiments des ansässigen Vereins in Marienborn durch unser einnehmendes Wesen
und durch Subvention weitgehend abgebaut haben. Sicher hat dabei auch unser regelmäßiger Besuch der Kneipe am Platz dazu beigetragen,
Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.
Man sollte nicht vergessen, daß wir auch zwei Einwohner von Marienborn – zwar zugezogene – in unserer Mitte haben. Die müssen wir
hegen und pflegen!
So können wir wohl mit Ruhe und Gemütlichkeit auf unsere fußballerische Zukunft blicken. Auch wenn die Geburtenrate weiter sinkt
und die Zahl der Singles in unseren Reihen weiter wächst, die zukünftige Generation von Rot-Grün Robinson wird gegenwärtig in Frankfurt,
Wiesbaden, Mainz, Hofheim-Wildsachsen und Dittelsheim herangezogen!